Eine kurze Schulgeschichte des Apostelgymnasiums


Das Gymnasium an der Apostelkirche
(nach einem Holzschnitt von H. Kempen)

Nach Besetzung der Freien Reichsstadt Köln durch ein französisches Revolutionsheer (1793) wurden fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens neu geregelt; u.a. wurde 1799 die Kölner Universität mit den einzelnen Bursen geschlossen. An ihre Stelle trat die Université de Cologne, welche die ehemaligen Gymnasien unter einem Dach vereinigte und als Zentralschule für das Roer-Departement in den Räumen des Tricoronatum untergebracht wurde. In preußischer Zeit existierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Köln lediglich zwei Gymnasien: das katholische Marzellengymnasium, das vom Gymnasialfond getragen wurde und aus dem das heutige Dreikönigsgymnasium hervorging, und das protestantische Friedrich-Wilhelm-Gymnasium im Süden der Stadt.
Wegen der anwachsenden Kölner Bevölkerung bekundete der Rat der Stadt Köln bereits 1852 das Bedürfnis nach einem dritten Gymnasium; erst sieben Jahre später konnte nach Klärung finanzieller und organisatorischer Probleme der Grundstein für das Schulgebäude gegenüber der Basilika St. Aposteln am Apostelmarkt gelegt werden, dort, wo sich heute das British Council befindet.  

Das schulische Leben an diesem Katholischen Gymnasium an der Apostelkirche begann mit dem 9. Oktober 1860, wobei die enge Bindung an den Gymnasialfond den Charakter einer stiftisch-katholischen Schule deutlich machte. 

Erster Direktor war Prof. Heinrich Bigge (1860-1882), unter dem bereits 1882 durch Abänderung des Lehrplans der Typus des humanistischen Gymnasiums sich dem des Realgymnasiums anglich. 1876 erhielt die Schule den Namen Königlich Katholisches Gymnasium an der Apostelkirche; 1918 wurde dann das Wort Königlich durch Staatlich ersetzt.

Bigges Nachfolger im Direktorat war Prof. Dr. August Waldeyer (1883-1901), unter dessen Amtszeit die Trägerschaft der Schule sich änderte: durch Vertrag (1888) zwischen dem Provinzial - Schulkollegium und dem Verwaltungsrat des Gymnasialfond übernahm der Preußische Staat die Trägerschaft von Marzellen-, Apostel- und Kaiser-Wilhelm- Gymnasium.

Auf die beiden Altphilologen Bigge und Waldeyer folgte mit Prof. Dr. Karl Schwering (1901-1921) ein Mathematiker in der Leitung des Apostelgymnasiums, was sich freilich dank Schwerings Universalität keineswegs als nachteilig für den humanistischen Charakter der Schule erwies. Die damals stark ansteigenden Schülerzahlen machten eine Erweiterung des Schulgebäudes nötig, eine nach Schwerings Meinung jedoch nur halbherzige Lösung des Raumproblems, so dass er sich vehement für einen Neubau außerhalb der alten Umwallung einsetzte, ein Vorhaben, dem die Stadt eine Absage erteilte. Der Hauptverdienst Schwerings lag freilich darin, die Schule durch die schweren Jahre des Ersten Weltkrieges geleitet zu haben: 1914 wurde das Gebäude für militärische Zwecke beschlagnahmt, die Schüler wurden in die Oberrealschule Humboldtstraße eingewiesen; 1918 plünderten meuternde Soldaten das Gebäude an der Apostelkirche; doch 1919 erreichte Schwering, dass man das alte Schulgebäude wieder beziehen konnte.

Auf Schwering folgten die Direktoren Dr. Karl Giesen (1921-1928), unter dem sich ehemalige Schüler zum Verein der Altapostolaner zusammenschlossen, Dr. August Altmeyer (1929-1933) sowie Heinrich Deckelmann (1934-1939). Unter Deckelmann wurde das Staatl. Gymnasium an der Apostelkirche zu Ostern 1939 aufgelöst, das Kollegium mit den beiden oberen Klassen kam an die Staatl. Schillerschule, die übrigen Klassen wurden den Schulen Spiesergasse und Kreuzgasse zugewiesen. Im gleichen Jahr begann man mit dem Abbruch des Schulgebäudes, das einem Straßendurchbruch der Stadt Köln – der heutigen Hahnenstraße – zum Opfer fiel. Nach den chaotischen Verhältnissen am Ende des Zweiten Weltkrieges begann der Unterricht am Apostelgymnasium bereits im November 1945 mit der Eröffnung von Sonderlehrgängen für Kriegsteilnehmer; als Schulgebäude stand eine alte Hutfabrik in der Lotharstraße (Sülz) zur Verfügung, die sich im Besitz des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds befand und noch auf Jahre hinaus mit der Hildegardisschule im Schichtwechsel geteilt werden mußte.

Die Schule, die 1946 den Namen Staatliches Apostelgymnasium erhielt, wurde als altsprachliches Gymnasium mit neusprachlichem Zweig von Direktor Werner Ohlendorf (1945-1951) geleitet, dem die schwierige Aufgabe zufiel, das Gymnasium neu entstehen zu lassen. Bereits 1949 fanden erste Besprechungen bzgl. eines Schulneubaus statt, der dann unter Direktor Dr. h.c. Otto Leggewie (1951-1961) verwirklicht wurde: 1959 erfolgte die Grundsteinlegung des heutigen Gebäudes, 1961 der feierliche Einzug.

Unter Leggewie konstituierte sich 1960 der Verein der Förderer des Apostelgymnasiums und fand die Feier zum 100jährigen Bestehen der Schule statt. Mit dem Einzug ins neue Schulgebäude wurde auch der neue Direktors eingeführt: Dr. Hubert Lenzen (1961-1973); in seiner Amtszeit begann das alte Jungengymnasium sich zu wandeln: 1972 gehörten erstmals Mädchen zu den Schülern der Eingangsklassen; die Schule trug nun die Bezeichnung Staatliches Apostelgymnasium in Köln, altsprachliches Gymnasium, neusprachliches Gymnasium besonderer Art und mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium i.E..

Mit Hans Olbertz (1973-1995) übernahm der Direktor die Schule, der sie am längsten leitete und unter dem sich einschneidende Veränderungen vollzogen: 1973 kam die Schule in städtische Trägerschaft und heißt seitdem Städt. Apostelgymnasium; 1975 wurde die neugestaltete Oberstufe in der SEK II eingeführt; 1980 legten die ersten Mädchen die Reifeprüfung ab; 1985 wurde erstmals für die Eingangsklassen neben Lateinisch auch Englisch als erste Fremdsprache angeboten.

An das Direktorat von Olbertz schloß sich die Amtszeit von Klaus Peter Schwarz (1996-2000) an, dem Dr. Klaus Zimmermann (2000-2014) folgte.

Seit 2015 ist Klaus Trier Schulleiter des Apostelgymnasiums.