Ein Erlebnisbericht
Vom 17. bis zum 20. September 2026 fand in Bremen die 134. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) statt. Unter dem Motto „Wissen schafft Nutzen – Wissenschaft nutzen“ kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen, Studierende sowie Schülerinnen und Schüler zusammen, um aktuelle Forschung des sogenannten MINT-Bereiches (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu präsentieren und in den Austausch zu kommen. Ich hatte die Möglichkeit, als Schüler an dieser Veranstaltung teilzunehmen – eine Erfahrung, die mir einen einzigartigen Einblick in die Welt der Wissenschaft ermöglicht hat. Möglich gemacht wurde dies durch die neue Partnerschaft zwischem dem Apostelgymnasium und der GDNÄ, durch welche Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe mit Fokus auf den MINT-Fächern für diese Versammlung ein Stipendium bekamen.
Bereits vor Beginn der eigentlichen Tagung am 16. September nahmen wir Schülerinnen und Schüler an einem Vorbereitungsworkshop teil. Dieser bereitete uns auf die kommenden Vorträge der Tagung vor. Aufgeteilt war diese Tagung in sogenannte Sessionen, die jeweils drei Vorträge über ein gemeinsames Sessionsthema beinhalteten.
Nach Interessen aufgeteilt beschäftigte sich mein Workshop mit einem Vortrag der Session Biologie des Prof. Kießlings über die Korrelation urzeitlicher Daten mit dem heutigen Klimawandel. Dabei erhielten wir Einblicke in die Erforschung vergangener Erdzeitalter, fossiler Lebensformen und die Bedeutung paläontologischer Forschung für unser Verständnis von Klimaentwicklung. (Falls ich etwas mitgenommen haben, dann auf jeden Fall wie ich Paläontologie ausspreche). Obwohl vieles davon zu Anfang nicht ganz meinen vorherigen Interessensbereich abdeckte, war ich während des Workshops fasziniert und vor allem nach dem Vortrag begeistert wie verständlich und ansprechend darüber referiert wurde. Nach Bearbeitung in den Interessensgruppen kam es dann noch zum unterhaltsamen und lehrreichen Austausch mit Gruppen anderer Themengebieten.
Während der Tagung konnte man alle Vorträge freiwillig besuchen und neben den klassischen Sessionen gab es auch ein Nebenprogramm wie eine Studienberatung, Vorträge des Kriminalbiologen Mark Benecke oder des ehemaligen Leiters der Wissensschaftsabteilung der NASA Prof. Zurbuchen und noch vieles mehr. Sehr unterhaltsam war das Programm „Wissenschaft in 5 Minuten“, bei welchen Schülerinnen und Schüler sowie Studierende ein Thema in 5 Minuten möglichst ansprechend erklären mussten. Besonders interessant fand ich bei den richtigen Vortägen dann die Beiträge aus der Biologie, da hier aktuelle Forschungsergebnisse wie über das synthetisierte (künstlich hergestellte) Leben oder über das weibliche Durchsetzungsvermögen auf Grundlage von Erkenntnissen in der Wildtierforschung vorgestellt wurden und zugleich ihre Bedeutung für Gesellschaft und Umwelt deutlich gemacht wurden. Es war faszinierend zu erleben, wie vielfältig biologische Forschung heute ist und auch wenn manche Themen etwas ausgefallen klingen, so hieß dies das der Vortrag nur noch besser war. Dies galt auch für alle anderen Sessionen. Themen rund um Technik, Physik oder Chemie interessierten auch mich auf einmal nur aufgrund der Vortragsweise oder des ausgefallenen Themas.
Ein Erlebnis, das mir besonders in Erinnerung bleiben wird, war eine Situation, in der ein Wissenschaftler aufgrund einer Erkrankung kurzfristig ausfiel und ein anderer Referent spontan einsprang. Trotz der kurzfristigen Änderung gelang ein professioneller, hochinteressanter und fachlich anspruchsvoller Vortrag. Diese Erfahrung zeigte mir, wie selbstverständlich wissenschaftlicher Austausch und Zusammenarbeit auf einem so hohen Niveau funktionieren.
Am Ende jeder Session kam es dann noch zu einer Podiumsdiskussion, bei denen zuerst wir Schülerinnen und Schüler Fragen an die Vortragenden stellen konnten. Durch die Workshops waren wir darauf gut vorbereitet und konnten so impulsbringende Fragen stellen und von den Experten professionell beantwortet kriegen. Daraufhin folgten dann noch Fragen aus dem Publikum. Hier wurde deutlich, dass Wissenschaft nicht nur aus Forschungsergebnissen besteht, sondern auch vom offenen Austausch und von Diskussionen lebt.
Ein weiteres Highlight war der Vortrag des Nobelpreisträgers in Chemie, Prof. Benjamin List. Die Möglichkeit, einem Wissenschaftler zuzuhören, dessen Forschung international ausgezeichnet wurde, war etwas ganz Besonderes. Dabei wurde deutlich, wie viel Neugier, Ausdauer und Begeisterung hinter wissenschaftlichen Entdeckungen stehen und mit welcher Vorfreude sich dieser schon wieder auf das nächste ambitionierte Projekt einlässt.
Neben den fachlichen Inhalten war auch die Atmosphäre der Tagung beeindruckend. Überall ergaben sich Gespräche mit anderen Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Forschenden. Die Unterschiede zwischen jedem von ihnen, geschuldet durch die Fachausrichtung oder den Charakter, machte jede Begegnung einzigartig, aber keine einzige Erfahrung negativ für mich. Deshalb hoffe ich das die dort geknüpften Freundschaften noch länger anhalten und würde jedes Mal wieder zu so einer Versammlung fahren.
Für mich waren somit die Tage bei der GDNÄ eine besondere Gelegenheit, Wissenschaft aus nächster Nähe zu erleben – und vielleicht auch ein kleiner Blick in (m)eine mögliche Zukunft.
